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Guter alter Tusk vs. arroganter "König Europas"

PR dla Zagranicy
Joachim Ciecierski 06.11.2018 12:28
Wichtiges Thema in allen Zeitungen ist heute der gestrige Verhör von Ex-Ministerpräsident Donald Tusk zur Affäre um die Scheinbank Amber Gold. Und die Einschätzungen der Publizisten gehen weit auseinander.

Gazeta Wyborcza: Guter alter Tusk in Form

Die Zeugenaussagen Tusks hätten an eine Jagd erinnert, bei der eine Gruppe von nervösen Jägern versuchte, ein großes Raubtier zu erlegen, schreibt in seinem Autorenkommentar für die linksliberale Tageszeitung Gazeta Wyborcza der Publizist Paweł Wroński. Sie, so der Autor, hätten zwar oft geschossen, meistens aber ungenau und manchmal auch ins eigene Knie. Die Fallen seien zu offensichtlich gewesen und das Niveau des politischen Engagements habe dem ganzen Geschehen zusätzlich ungewollte Komik verliehen.

Noch vor wenigen Monaten, erinnert Wroński, sei dieser Verhör als ein potentieller Nagel zum Sarg der III. Republik Polen dargestellt worden. Er sollte beweisen, dass der durch die PiS verhasste Premierminister für die Danziger Finanzpyramide verantwortlich gewesen sei. Und dass sein Sohn Michał, der für den Billigflieger OLT-Express arbeitete, die Betrüger beschützte. Tusk, so die Rhetorik der Regierenden, habe tausende Polen, die ihre Ersparnisse verloren haben, nicht gewarnt. Doch, so Wroński, es sei anders gekommen. Tusk sei als Sieger aus der Probe hervorgegangen.

Der Grund? Der Verhör des Premierministers habe zu spät stattgefunden. Seit der Ambergold-Affäre, erinnert der Publizist, seien 6 Jahre vergangen. Die Recht und Gerechtigkeit(PiS) regiere also schon seit 1.000 Tagen und inzwischen seien neue Probleme und Affären ans Tageslicht gekommen, unter anderem die um den Schuldenhändler GetBack - eine Firma, die u.a. Events der Recht und Gerechtigkeit sponserte und für die sich der Vater des Ministerpräsidenten bei seinem Sohn eingesetzt habe. Die Verluste von GetBack - 2 Milliarden Złoty - würden die von AmberGold um das Doppelte übertreffen. Daher habe Tusk unter anderem kontern können, dass die Kommission zu GetBack - wenn sie denn die gleichen Standards anwenden würde, wie der AmberGold-Ausschuss - Ministerpräsident Morawiecki schon längst hätte anklagen, verurteilen und auf dem Scheiterhaufen verbrennen müssen.

Bei der gestrigen Auseinandersetzung, so Wroński, hätten die Zuschauer den guten alten Tusk erleben können. Und wenn die PiS darauf gezählt habe, dass sie den EU-Ratschef mit dem Verhör schwächt, dann habe sie sich verrechnet - denn sie habe das Gegenteil erreicht, schreibt Paweł Wroński in der Gazeta Wyborcza.

Gazeta Polska Codziennie: Tusk: Die Rolle des Premierministers war nicht die Sorge um menschliches Leiden

Anderer Meinung ist die nationalkonservative Tageszeitung Gazeta Polska Codziennie. Der Titel des Aufmachers: “Tusk: Die Rolle des Premierministers war nicht die Sorge um menschliches Leiden”. Ich weiß nicht, ich kann mich nicht erinnern, und selbst wenn mich jemand über die Unregelmäßigkeiten informiert hat, konnte ich damit sowieso nichts machen - so, lesen wir im dazugehörigen Artikel, könne man in Kürze die gestrigen Zeugenaussagen von Donald Tusk zusammenfassen.

Der “König Europas”, schreibt in seinem Autorenkommentar zum Verhör Publizist Adrian Stankowski, habe sich den Ausschuss-Mitgliedern gegenüber aggressiv und arrogant verhalten und versucht, den Hass gegenüber allen Bürgern, die von einem gerechten Polen träumen, erneut zu entfachen. Dies und nichts anderes sei, vor dem Hintergrund der Tausenden von Betroffenen, die gestrige Show des ehemaligen Ministerpräsidenten gewesen, der sich der Verantwortung für die eigenen Unterlassungen entzieht, so Stankowski in der Gazeta Polska Codziennie.

Adam de Nisau

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