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März-Unruhen jähren sich zum 50. Mal

PR dla Zagranicy
Joachim Ciecierski 08.03.2018 11:54
1968 kam es in Polen zu einer politischen Krise. 20 Tausend Juden mussten das Land verlassen.
Foto: Pexels.com

RZECZPOSPOLITA: März-Unruhen jähren sich zum 50. Mal

Heute vergehen 50 Jahre seit den sogenannten März-Unruhen. 1968 kam es in Polen zu einer politischen Krise, die mit heftigen Studenten-Demonstrationen begann. Die Proteste wurden brutal durch Einheiten der Miliz und der Freiwilligen Reserve der Bürgermiliz (ORMO) niedergeschlagen. Infolge dessen mussten etwa 20 Tausend Juden das Land verlassen. Anlass zu den polenweiten Protesten war eine Studenten-Demo nach der Entfernung des Klassikers "Dziady" von der Bühne des Warschauer Nationaltheaters. Unter dem Motto "Kampf gegen Zionismus", hat die Regierung im Gegenzug Tausende Juden aus wissenschaftlichen und kulturellen Einrichtungen, sowie aus den Medien verbannt und zur Emigration gezwungen.

Oft werde behauptet, dass sich Polen für die Ereignisse von vor 50 Jahren schämen sollte, sagte bei einer Diskussion an der Warschauer Universität Premierminister Mateusz Morawiecki. Er gehe aber davon aus, dass diejenigen, die sich damals für die Freiheit und Demokratie eingesetzt haben, auf ihr Verhalten stolz sein sollten. Die Minister der jetzigen Regierung fühlten sich als Erben der damaligen Freiheitsbewegung, betonte Morawiecki. Für ihn seien die Studentenproteste aus dem Jahr 1968 ein weiteres Symbol der polnischen Freiheitsbewegungen, ein Symbol der Solidarność-Bewegung. Ohne den März gäbe es die Solidarność nicht.

Zu den Protesten kam es in einem Land, das man keineswegs als einen unabhängigen Staat bezeichnen könne, zitiert die Rzeczpospolita den polnischen Politiker weiter. Die politischen Entscheidungen wurden in Moskau getroffen. Man könne sie keineswegs mit der Einstellung der freiheitsstrebenden Polen in Verbindung bringen, zitiert die Tageszeitung den Chef der polnischen Regierung, Mateusz Morawiecki.

TYGODNIK SOLIDARNOŚĆ: Ein Grund stolz zu sein

In einem ähnlichen Ton wie der polnische Regierungschef, beschreibt die Wochenzeitschrift Tygodnik Solidarnosć das Jahr 1968. Die Proteste der Studenten waren immer ein Teil des polnischen Freiheitskampfes. Ausgenutzt im Propagandakampf der Supermächte aber, wurden sie zu Instrumenten, die bei den Polen Schamgefühl für die antisemitischen Parolen erwecken sollte.

Es ist an der Zeit, einiges zu klären: zum ersten Mal in der zwanzigjährigen Geschichte der Volksrepublik hat damals die junge Generation, geboren und erzogen nach dem Zweiten Weltkrieg, ihre Unzufriedenheit geäußert. Den Protesteierenden ging es um Werte, die allgemein für das Fundament eines Rechtstaates und einer gesunden Gesellschaft angesehen werden. Die Proteste richteten sich gegen das sowjetische Joch. Die antisemitische Rhetorik war dagegen Teil eines innenparteilichen Kampfes der Kommunisten. Dennoch war der Effekt der antijüdischen Ausschreitungen für das internationale Ansehen Polens verheerend. Endlich muss man die vergangenen Ereignisse aber im richtigen Licht zeigen, schreibt das Blatt.

FAKT: Vater vs. Sohn

Der oppositionelle Abgeordnete Kornel Morawiecki distanziert sich erneut von der Regierung, die seit mehreren Monaten sein Sohn Mateusz leitet, berichtet die Tageszeitung Fakt. Es geht unter anderem um die geplante Degradierung der kommunistischen Generäle. Das momentan diskutierte Gesetz sollte sich unter anderem auf den ehemaligen Astronauten und ersten Polen im Weltraum, Mirosław Hermaszewski, beziehen. Die Novelle bezeichnet Morawiecki Senior als verspätet. Der Politiker erinnert zugleich, dass sich Hermaszewski noch vor den Gesprächen am Runden Tisch, die den Weg zu der politischen Wende ebneten, von den Aktivitäten der Kommunisten distanzierte.

Verärgert habe ihn auch die Aussage seines Sohnes bei der Sicherheitskonferenz in München. Im Zusammenhang mit dem umstrittenen polnischen Holocaust-Gesetz, sagte sein Sohn Mateusz, dass es in der NS-Zeit neben deutschen auch polnische, russische, ukrainische und „jüdische Täter“ gegeben habe. Er hätte in München polnisch Sprechen sollen, dann hätte er sich nicht versprochen, ärgert sich sein Vater.

Auf die Antwort von Politikern der Regierungspartei (PiS) musste Kornel Morawiecki nicht lange warten. Zu Wort meldete sich die Abgeordnete Krystyna Pawłowicz (PiS), die an Morawiecki appellierte: üben Sie auf ihren Sohn, den amtierenden Premierminister keinen Druck aus. Die Regierungspartei stehe zu den Worten des Regierungschefs, zitiert Fakt die konservative Politikerin Pawłowicz.

Jakub Kukla

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