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Handelsverbot ist Fakt

PR dla Zagranicy
Jakub Kukla Jakub Kukla 06.12.2017 13:20
Die Parlamentarier haben sich mit den Gewerkschaften auf die Einführung des handelsfreien Sonntags geeinigt.
Bild: pixabay.com/Public Domain CC0

NEWSWEEK: Handelsverbot negativ für die Wirtschaft

Die Parlamentarier haben sich mit den Gewerkschaften auf die Einführung des handelsfreien Sonntags geeinigt. Laut dem verabschiedeten Gesetz werden ab März kommenden Jahres Großflächengeschäfte an zwei Sonntagen im Monat, ab 2019 an drei und ab 2020 jeden Sonntag geschlossen bleiben. Das Handelsverbot sieht mehrere Ausnahmen vor: Geschäfte auf Bahnhöfen, Flughäfen und Tankstellen, sowie kleine Lebensmittelgeschäfte sind vom Verbot ausgeschlossen. Das Verbot tritt im März kommenden Jahres in Kraft.

Vor den negativen Konsequenzen dieser Regelung warnt in der neuen Ausgabe die Wochenzeitschrift Newsweek. Die Entscheidung wurde getroffen, um die in den letzten Monaten angespannten Beziehungen der Regierungspartei mit den Gewerkschaften und der Führung der katholischen Kirche zu verbessern. Dieser Schritt könnte die Polen aber viel kosten: in den kommenden Monaten sei von einem dramatischen Rückgang der Umsätze auszugehen, darüber hinaus würden demnächst Tausende Stellen im Handel abgebaut, prophezeit die Wochenzeitschrift.

Die Ungarn hätten im Jahr 2015 eine ähnliche Regelung eingeführt, erinnert das Magazin. Auch Premierminister Orban wollte den Sonntag den Arbeitnehmern zurückgeben und den Großflächengeschäften hart zusetzen. Erstens haben kleinere Händler vor dem Verbot aber gar nicht profitiert, zweitens habe sich die Regelung auch aus der Perspektive der Kunden als äußerst unpraktisch erwiesen. Als die ungarische Opposition einen Volksentscheid organisieren wollte, zog sich die Orban-Regierung aus dem Handelsverbot an Sonntagen schließlich zurück.

Ob sich dieses Szenario auch in Polen wiederholen werde, sei nur schwer vorherzusehen, konkludiert die Wochenzeitschrift Newsweek.


DO RZECZY: Handelsverbot positiv für die Wirtschaft

Die Folgen der neuen Regelung analysiert auch die rechtskonservative Wochenzeitschrift Do Rzeczy. Die Diskussion sei sehr emotional, nicht nur in Polen, lesen wir, denn das Handelsverbot an Sonntagen betreffe gleichzeitig mehrere Lebensaspekte: den gesellschaftlichen, religiösen und wirtschaftlichen. Die Kritiker malen die Zukunft der Handelsbranche in Polen in dunklen Farben. Deren Argumente bezeichnet die konservative Wochenzeitschrift aber als wirklichkeitsfremd.

Ab März, so das Blatt, würden 200 bis 250 Tausend Menschen die Möglichkeit bekommen, den Sonntag gemeinsam mit deren Familien zu verbringen. Bislang hätten sie an diesen Tag in der Arbeit sitzen müssen. Die potenziellen Kunden würden auch nach anderen Attraktionen als sonntägliche Einkäufe suchen müssen. Beide Gruppen würden damit zu einem fetten Happen für Vertreter der breit verstandenen Unterhaltungsbranche. Höhere Umsätze der Kinobetreiber, Restaurantbesitzer, Schwimmbadverwalter usw. seien eine wahrscheinliche Folge. Das Handelsverbot müsse also keine negative Konsequenzen für die polnische Wirtschaft mit sich bringen. Man sollte vielmehr mit einer höheren Anfrage an den restlichen sechs Wochentagen rechnen, Sonntags wiederum werden die Polen ihr Geld anders, als bei Einkäufen im Einkaufszentrum ausgeben, meint die Wochenzeitschrift Do Rzeczy.


SUPER EXPRESS: Politische Temperatur steigt

Die Tageszeitung Super Express stellt die These auf, dass Vizepremier und Finanzminister Mateusz Morawiecki demnächst Regierungschefin Beata Szydło von ihrem Posten ablösen wird. Politiker der Regierungspartei stürmten Anfang dieser Woche den Sitz der PiS-Partei im Zentrum von Warschau, lesen wir. Zuerst feierten die Politiker den Namenstag der Sekretärin von Jarosław Kaczyński. Danach habe im Parteisitz eine Diskussionsrunde stattgefunden und der feierliche Abend verwandelte sich in einen politischen Thriller. Denn die neueste Idee von Jarosław Kaczyński laute: Machtwechsel. Der seit Wochen angekündigte Regierungsumbau soll sich vor allem auf den Posten des Regierungschefs beziehen. Und so, soll Beata Szydło den Posten noch vor Weihnachten räumen, auch Außenminister Witold Waszczykowski soll laut dem Blatt seine Funktion in der Regierung verlieren, so Super Express.

kk


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