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Europa: vielfältig oder eindimensional?

PR dla Zagranicy
Jakub Kukla Jakub Kukla 08.11.2017 13:27
Die Ausstellung im Brüsseler Haus der Europäischen Geschichte scheidet die Geister. Ein polnischer Historiker erklärt die Gründe der kritischen Stimmen.
Bild: pixabay.com

FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG: Fern von der europäischen Vielfalt

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beschreibt der polnische Historiker Paweł Ukielski, stellvertretender Direktor des Museums des Warschauer Aufstandes seiner Eindrücke nach der Visite einer Gruppe von osteuropäischen Historikern in Brüssel. Es geht um die Ausstellung im neuen Haus der Europäischen Geschichte. Statt einer Antwort auf die Frage nach der europäischen Identität bekomme der Besucher ein neomarxistisches Narrativ vorgesetzt, das die komplexe Geschichte unseres Kontinents und die Vielfalt seines Erbes nicht widerspiegelt, meint Ukielski.

Der polnische Wissenschaftler kritisiert unter anderem die Vorbereitungsarbeiten zu der unlängst eröffneten Ausstellung. Seiner Ansicht nach wurde das Haus der Europäischen Geschichte auf intransparente Weise und ohne eine ernsthafte öffentliche Debatte vorbereitet. Bis heute sei es unbekannt, wer der Autor des Drehbuchs war, lesen wir.

Das Bild, das sich aus der Analyse der Ausstellung ergebe, sei leider niederschmetternd, führt der polnische Historiker fort. Das richtige Ziel: zum besseren Verständnis der gemeinsamen Geschichte beizutragen wurde verfehlt. Die Ausstellung zeige das Gegenteil von Vielfalt, es gäbe keine Darstellung verschiedener Standpunkte. Vielmehr werde eine Vision von Europa forciert, das sich seit der Französischen Revolution auf dem Weg eines unaufhaltsamen Fortschritts mit Richtung auf eine ideale, klassenlose und der Nationen entledigte Gesellschaft befinde.

In einer solchen Erzählung gibt es praktisch keinen Raum für das, was vor der Französischen Revolution stattfand – etwa für die berühmte Trias der Grundlagen unserer Zivilisation, die griechische Philosophie, das römische Recht und den jüdisch-christlichen Geist. Zwar komme jeder dieser Begriffe in der Ausstellung vor, jedoch nur als völlig marginale Erscheinung, meint Paweł Ukielski.

Ein wesentliches Problem sei auch der Mangel an Objektivität und neutraler Beschreibung der Wirklichkeit. Aus unbekannten Gründen sei die einzige Religion, die im Anfangsteil der Ausstellung auftaucht, das Christentum, der einzige Begriff, der nicht neutral betitelt, sondern sofort bewertet wird. Dagegen wecke der Kommunismus, eine verbrecherische Idee, die Dutzende Millionen Menschen das Leben gekostet hat, bei den Ausstellungsmachern deutliche Sympathien. An einer Stelle fragen sie, ob der Kommunismus nur ein missglücktes Experiment gewesen sei oder ob er immer noch eine Zukunft habe. Darüber hinaus fehle der Holocaust in der Ausstellung fast völlig.

Die Ausstellung im neuen Haus der Europäischen Geschichte sei also nicht nur fehlerhaft, sondern der Idee einer gemeinsamen Identität sogar abträglich, so Paweł Ukielski abschließend in seinem Gastbeitrag in der F.A.Z.

DO RZECZY: Antichristlicher Wahn

Eine Gemeinde in der Bretagne muss auf richterliche Anordnung das Kreuz von einem Denkmal für den verstorbenen Papst Johannes Paul II. entfernen. Das oberste französische Verwaltungsgericht hatte entschieden, dass das mehr als ein Meter große Kreuz binnen sechs Monaten von einem Bogen über der Papststatue entfernt werden muss. Das Kreuz verstoße gegen das Gesetz zur Trennung von Staat und Kirche, hieß es.

Als verwunderlich und beunruhigend beschreibt Chefredakteur der Wochenzeitschrift Do Rzeczy die Entscheidung der französischen Richter. Wie könnte man Johannes Paul den II. ehren und dabei auf das Kreuz verzichten, fragt der Publizist. Es sei, als ob man ein Poster von da Vincis Mona Lisa ohne Kopf drucken ließe oder aufgrund von Protesten der Tierschützer bei Denkmäler großer Führer der Vergangenheit auf Pferde verzichten würde. Nur Barbaren können davon ausgehen, dass man das Christentum und sein Symbol – das Kreuz aus der europäischen Geschichte entfernen könne. Glücklicherweise sei Polen von diesem Wahn weit entfern, konkludiert Paweł Lisicki in der konservativen Wochenzeitschrift Do Rzeczy.

kk

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