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Das Greisenalter ist kein schönes Geschenk

PR dla Zagranicy
Joachim Ciecierski 14.04.2017 10:22
Die Ikone des polnischen Journalismus Józefa Hennelowa spricht von den schwierigen Aufgaben, die das Älterwerden vor dem Menschen stellt.
Foto: Pexels.com

POLITYKA: Das Greisenalter ist kein schönes Geschenk

In einem Gespräch mit der Wochenzeitung Polityka spricht die Ikone des polnischen Journalismus Józefa Hennelowa von den schwierigen Aufgaben, die das Älterwerden vor dem Menschen stellt. Spät habe sie den Wandel erkannt, sagt die Publizistin. Erst mit 64 Jahren begann ihre politische Karriere. Vier Jahre lang war sie Abgeordnete im polnischen Sejm. Es kam vor, dass sie die ganze Nacht lang mit dem Zug nach Warschau fahren musste, danach folgten mehrstündige Beratungen im Parlament. Da habe sie aber den Ablauf der Zeit noch nicht genau erkannt. Aber das Greisenalter offenbarte sich nach und nach. Vor allem der Körper leide unter den unaufhaltsamen Folgen der vergehenden Jahre.

Sie habe sich gegen das Alter gewehrt, gibt die Publizistin zu. Dies verursache oft, dass man für andere unerträglich wird. Ein alter Mensch gehe oft davon aus, dass er andere Menschen belehren darf, ihnen vorschreiben kann, wie sie leben und denken sollten. Aus diesem Grund lernen viele ältere Menschen mit der Zeit einfach zu schweigen. Sie habe es lange nicht verstanden. Nun wisse sie, wieso alte Menschen oft nur lächeln und sich der Kritik enthalten, wieso sie ihre Meinung oft für sich behalten.

Alt zu sein bedeute auch, auf verschiedene Aspekte des Lebens zu verzichten, führt die Publizistin und ehemalige Politikerin hinzu. Man wird langsamer, deshalb müsse man auf einiges verzichten. Sie zum Beispiel musste das selbstständige Lesen aufgeben. Da sie immer schlechter sieht, sei sie auf einen Lektor angewiesen. Sie werde also nimmer die letzten Werke von Thomas Mann gründlich durchdenken können. Einige Beethoven-Symphonien warten noch um aufs Neue entdeckt zu werden. Sie habe auch alle Texte von Johanes Paul dem II. nicht kennen gelernt.

Sie möchte vieles noch einmal tun, sie schaffe es aber einfach nicht. Im Grunde genommen fühle sie sich an das Leben nicht sehr stark gebunden, doch laut wolle sie das nicht sagen, um die eigenen Kinder nicht zu irritieren, sagt in einem sehr persönlichem Gespräch die Publizistin Józefa Hennelowa.

DO RZECZY: Die Regierung und die Kirche

Nach dem Verhältnis der katholischen Kirche und der neuen polnischen Regierung fragt die Wochenzeitschrift Do Rzeczy den Krakauer Erzbischof Marek Jędraszewski. Die konservativen Politiker seien erst seit eineinhalb Jahren an der Macht, man könne daher nur schwer beurteilen, wie sich die Politik der neuen Regierung entwickeln werde. Noch seien alle Wahlversprechen nicht erfüllt worden. Doch in einer Hinsicht sei der Unterschied mit der Vorgängerregierung deutlich erkennbar, meint Jędraszewski.

In den letzten Monaten ihrer Amtszeit hätte die liberale Vorgängerregierung mehrere in ihrem Charakter antichristliche Entscheidungen getroffen. Es sei eine äußerst liberale Politik gewesen. Die Gender-Fragen oder auch die In-Vitro-Befruchtung richteten sich gegen die christliche Antrophologie, meint der Erzbischof. Solche Situtaion würde momentan nicht auftreten. Die Kirche fühle sich nicht dazu gezwungen, an einem scharfen ideologischen Kampf wie im Jahr 2015 teil zu nehmen.

Weiter spricht Erzbischof Marek Jędraszewski von der Spezifik des katholischen Glaubens in Polen. In den Großstädten sehe die Lage unterschiedlich aus. Schaut man auf die Zahlen, so beteiligten sich in Städten wie Łódź in Zentralpolen 10-12 Prozent der gläubigen Sonntags am Gottesdienst. In Krakau seien es aber schon um die 40 Prozent.

Doch auf dem Lande, besonders im Süden Polens, sehe man unter den Gläubigen eine sehr enge Gebundenheit an die Kirche. In letzter Zeit nehme aber die Migration aus den Großstädten in kleinere Ortschaften zu, was auch die Religiosität in kleineren Städten und auf dem Lande beeinflussen könnte. Nicht unbedingt positiv, meint der Hierarch Marek Jędraszewski im Gespräch mit der Wochenzeitschrift Do Rzeczy.

Jakub Kukla

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