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Volljährig in der Nato

PR dla Zagranicy
Joachim Ciecierski 13.03.2017 08:35
Die polnische Armee zählt 99 Tausend Berufssoldaten. Sie tragen die Uniform, weil der Dienst bei polnischen Streitkräften ihr Lebensziel ist.
PAP/EPA

DZIENNIK/GAZETA PRAWNA: Volljährig in der Nato

Am Wochenende sind genau achtzehn Jahre seit dem Beitritt Polens zur Nato vergangen, erinnert die Tageszeitung Dziennik/Gazeta Prawna. In den polnischen Streitkräften gab es damals über 230 Tausend Stellen. Besetzt waren weniger als 200 Tausend. Die meisten Soldaten in der Armee waren Wehrpflichtige. Ein Großteil dieser jungen Männer wollte gar nicht in die Armee, ihnen ist es aber nicht gelungen, sich vor der allgemeinen Wehrplicht zu drücken, erinnert sich die Tageszeitung an die Situation in den polnischen Streitkräften Ende der 90-er Jahre.

Die heutige Armee zählt 99 Tausend Berufssoldaten. Sie tragen die Uniform, weil der Dienst bei polnischen Streitkräften ihr Lebensziel ist. Der Dienst und der Verdienst. Die Armee ist ein stabiler Arbeitgeber. Die Belohnung in den polnischen Streitkräften ist relativ gut, so dass es an Willigen nicht mangelt. Auf der anderen Seite ist der heutige Wehrdienst weniger belastend als noch vor Jahren. In der Militäreinheit bleiben die Soldaten bis 15 Uhr. Gegen 15 Uhr öffnet sich das Ausgangstor, wie in einer größeren Fabrik, wenn die Schicht zu Ende geht. Ein Oberst spottet sogar, dass ein wichtiges Element im Leben einer Militäreinheit der Parkplatz sei. Die Soldaten bräuchten einen bequemen Platz, wo sie ihre Autos abstellen, damit sie nach dem Arbeitstag schnell nach Hause fahren können.

In den letzten 18 Jahren hat man richtige Proportionen zwischen den Schützen und Offizieren hergestellt. In Zeiten der Volksrepublik gab es eine sichtliche Überrepräsentation von Offizieren, heute unterliegen einem General ca. ein Tausend Schützen – ein Größenverhältnis, dass dem Stand in den verbündeten Streitkräften entspricht, so Dziennik/Gazeta Prawna. Darüber hinaus gibt es momentan viel mehr Frauen unter den Soldaten als noch vor Jahren. Circa 5 Tausend Soldatinnen leisten heute ihren Wehrdienst in der polnischen Armee, sie üben auch immer wichtigere Funktionen aus. Zum Vergleich gab es im Nato-Beitrittsjahr in einer doppelt größeren Armee nur 238 Frauen.

Auch die Ausrüstung hat sich radikal verändert. Noch vor dem Irak-Einsatz suchten die Soldaten auf Schrottplätzen nach Metall-Elementen, mit denen sie ihre Fahrzeuge verstärken könnten. Aus der heutigen Perspektive – unfassbar. Die polnische Armee verfügt derzeit über 600 Schützenpanzer und fast fünfzig F-16 Kampfflugzeuge. Das Verteidigungsministerium kaufte auch Leopard-Panzer sowie andere, weniger spektakuläre Militärausstattung, beschreibt Dziennik/Gazeta Prawna die Lage der polnischen Streitkräfte achtzehn Jahre nach dem Nato-Beitritt.

PLUS MINUS: Triumph der Menschlichkeit

Die Wochenzeitschrift Plus Minus erinnert in der neuen Ausgabe an das Heldentum des polnischen Franziskaner-Minorits Maximilian Maria Kolbe. Vor 75 Jahren wurde Kolbe in das deutsche Vernichtungslager Auschwitz Birkenau deportiert. Um das Leben seines Mithäftlings Franciszek Gajowniczek zu retten ging Kolbe freiwillig in den Tod. Dank seinem Märtyrertod überlebte Franciszek Gajowniczek das KZ. Für die Häftlinge war der freiwillige Tod ein Beweis dafür, dass man sogar in einem KZ seine Menschlichkeit, gegen die Absicht der Peiniger, bewahren könne, lesen wir. Die Nachricht vom Kolbes Opfer machte im ganzen Lager die Runde. Sie löste moralische Erschütterung aus. Es gäbe also einen Menschen, der nicht ein Stück Brot sondern sein eigenes Leben opfern konnte um einem anderen Menschen zu helfen, erinnert sich Józef Stemler, ehemaliger KZ-Häftling an die damaligen Diskussionen. Es war ein Schock gewesen, Kolbes Tat weckte erneut die Hoffnung, den Glauben an die Menschlichkeit. Seitdem gab es die Zeit „vor” und „nach” dem Tod von Maximilian Maria Kolbe, meint Stemler.

Die Erschütterung, die der freiwillige Tod des Franziskaner-Minorits auslöste, kann man unterschiedlich erklären. Professor Anna Pawełczyńska, ebenfalls ein Auschwitz-Häftling unterstreicht, dass die Treue dem Gebot: „du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ in der grausamen Wirklichkeit eines Todeslagers ein unglaublicher Erfolg der Menschlichkeit gewesen war. Somit konnte der Mensch Beweisen, dass er sich gegen die Wirklichkeit wehren könne, das er nicht gänzlich von der materiellen Dimension abhängig sei, dass es den Peinigern nicht gelungen war, seinen Mut und Glauben zu brechen. Nicht die Aggressoren hätten sein Leben gestaltet, sondern er selbst mit Hilfe Gottes, lesen wir in der Wochenzeitschrift Plus Minus.

Das irdische Werk Pater Maximilian Kolbes krönten zwei große Leistungen. Die erste war Niepokalanów, das aus dem nichts geschaffene größte katholische Kloster der Welt unweit von Warschau und zugleich ein riesiges katholisches Medienzentrum. Die zweite Leistung war das von ihm gegründete Franziskanerkloster in Nagasaki in Japan. Papst Johannes Paul II. sprach Maximilian Kolbe am 10. Oktober 1982 heilig.

Jakub Kukla

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